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Norbert Aping, Jahrgang 1952, Jurist, Familienvater, hat es sich zur Aufgabe gemacht, Laurel und Hardys Werk in Deutschland von den Anfängen in den 20-er Jahren bis heute zu erforschen. Hier ist seine Geschichte, wie er dazu gekommen ist.

"Als Kind der 50-er Jahre kam ich in den Kindervorstellungen kleiner Kinos mit Laurel und Hardy in Berührung. Dort wurden Sonntag nachmittags vor allem Kurzfilme der beiden Komiker im Beiprogramm gezeigt. Die ersten beiden Streifen, die ich dabei kennenlernte, waren "Der Zauberbrunnen" ("Them Thar Hills") und "Dick und Doof in: Die Wundersäge" ("Busy Bodies"), die damals vom "Nordwestdeutschen Filmverleih und Vertrieb" vermarktet wurden.

Ich war überwältigt! Hatte ich bis dahin meistens Märchenfilme gesehen, denen Kulturfilme vorangingen, die für Kinder meist unverständlich waren, stahlen nun 2 freundliche Herren dem Hauptfilm die Schau, die es offenbar verstanden, dass auch junge Kinogänger sofort mit ihnen Freundschaft schließen konnten. Sie hatten keine Scheu, sich selbst und andere Erwachsene der Lächerlichkeit preiszugeben. Urkomisch, wie Laurel und Hardy einen unfreundlichen Autofahrer einen Pümpel auf die Stirn drückten und den Herrn dann auch noch mit sehr klebrigem Rübenzucker und Kissenfedern "teerten und federten". Und erst Laurels filigrane Bemühungen, wie ein Barbier seinen Freund von einem Bart zu befreien, der entstanden war, als er ihm im Streit einen Leimpinsel ans Kinn gedrückt hatte, dessen Borsten man schließlich nur noch abrasieren konnte.

Die Folge dieser und anderer herrlicher Szenen waren immer wieder die unterdrückten "Lachsalven", die aus vielen Kinderkehlen kamen. Ich konnte natürlich auch nicht anders als lachen, und im vollen Kinosaal und bei ausgeschaltetem Licht ging es gleich noch mal so gut. Von der einen Sekunde zur anderen wurde ich zum Laurel und Hardy-Fan, während ich an den Hauptfilm, der mich eigentlich ins Kino gelockt hatte, schon lange keine Erinnerung mehr habe. Künftig achtete ich darauf, ob wieder ein "Dick und Doof"-Film gezeigt wurde, damit sich der Kinobesuch auch lohnte.

Wie groß war die Überraschung, als plötzlich auch lange Spielfilme von Laurel und Hardy in den Schaukästen angekündigt wurden. Die durfte man erst recht nicht verpassen. Und wieder wurde ich nicht enttäuscht, was rückblickend völlig klar erscheint, wenn man Filmtitel wie "Dick und Doof als Salontiroler" und "Dick und Doof in der Fremdenlegion" hört oder liest.

Die beiden Komiker hatten schon viele Jahre für mich zum festen Bestandteil von Kinobesuchen gehört, als ich mit großen Augen in der "Hör Zu" las, dass "Dick und Doof" nun auch eine eigene Fernsehreihe bekamen. Voller Erwartung und Spannung fieberte ich dem 17. Juli 1970 entgegen. Endlich war es soweit. Das ZDF zeigte den mittlerweile vertrauten Vorspann, und schon ging es mit dem "zermürbenden Klaviertransport" los. Im Vorspann hatte es also nicht nur Szenen aus "The Music Box" gegeben, jetzt kam der Film selbst, den ich nicht kannte, weil er einige Jahre zuvor wohl meiner Aufmerksamkeit entgangen war. Wie schon etwa 10 Jahre zuvor, war ich wieder völlig hingerissen von der Komik des Duos, und meine Freunde waren es auch. Eigentlich ist es richtiger zu sagen, dass wie vor Lachen am Boden gelegen haben.

Von diesem ersten Fernsehauftritt an gehörten für meine Freunde und mich Laurel und Hardy zum Pflichtprogramm. Nicht ein Termin wurde ausgelassen, und wir waren verstimmt, dass nicht jede Woche ein Laurel und Hardy-Film kam.

Es waren so viele Streifen darunter, die wir nie im Kino gesehen hatten. In machen Beiträgen traten Laurel und Hardy nicht gemeinsam auf und sahen außerdem noch viel jünger und anders aus als in den Filmen, in denen sie eindeutig die beliebten "Dick und Doof" waren. Damals hatten wir durch die Bank keine Ahnung, dass es sich um Stummfilme aus der Zeit handelte, als es das Team Laurel und Hardy noch gar nicht gab. Und auch diese Grotesken bereiteten großes Vergnügen, zumal wir gute, lustige Texte zu hören bekamen, die ein guter Sprecher zum Besten gab, den wir damals schon zu schätzen wussten: der Kabarettist Hanns Dieter Hüsch. Und was stand doch gleich im Vorspann: "frisch aufpoliert von Heinz Caloué und Gert Mechoff". Bald schon war zu lesen, dass Heinz Caloué hinter den von Hanns Dieter Hüsch gesprochenen Texten stand.

Ob nun das Abitur heranrückte oder, etwas später, Nachbereitungen von Vorlesungen anstanden. Das ZDF-Vorabend-Programm an Freitagen blieb der feste Bestandteil unserer Treffen. Ehe nicht die letzte Sekunde der neuen Folge verstrichen war und wir eine Nachlese dessen gehalten hatten, was uns gerade wieder zum Lachen gebracht hatte, gab es auch nichts zu essen.

In jener Zeit haben wir uns keine Gedanken darüber gemacht, dass "Dick und Doof" nicht die richtigen Filmnamen von Laurel und Hardy waren. In den Filmen sprachen sie sich ja auch anders an, mit "Stan" und "Ollie", oder sie stellten sich anderen mit "Mr. Laurel" und "Mr. Hardy" vor, also wie Leute von nebenan. Auch wenn "Dick und Doof" zugegebenermaßen keine sehr schöne Bezeichnung für 2 so begnadete Komiker ist, wie Laurel und Hardy sie zweifelsohne sind, kamen uns damals nicht in den Sinn, mit ihrem deutschen Namen etwas Abfälliges oder Geringschätziges zu verbinden. Im Gegenteil: Die Meister-Komiker der Kindervorstellungen schlugen uns auch als junge Erwachsene genauso in den Bann wie vor Jahren. Und unsere Eltern lachten am Bildschirm mit. Laurel und Hardy konnten offenbar auch alle Altersgruppen erreichen.

Während meines Studiums endete 1973 plötzlich die "Dick und Doof"-Reihe des ZDF, und es hieß in der letzten Folge: "Bitte nicht weinen". Als Ersatz kam nach 99 Folgen "Spaß mit Charlie", der zwar auch lustig war. Doch der berühmte Chaplin war bei weitem nicht so erheiternd wie unsere Freunde Laurel und Hardy. Das Warten wurde jedoch belohnt, als es wieder hieß "Zwei Herren dick und doof", und als im Vorspann der hinreißende Tanz der beiden Komiker aus "Way out West" zu sehen war.

Als diese Reihe Ende November 1976 vorläufig beendet wurde - 1980 wurden 3 Folgen nachgeschoben -, hatte ich auch schon das Staatsexamen in der Tasche, und meine Mitstreiter wurden nun in alle Himmelsrichtungen verweht. Die regelmäßigen Treffen hatten ein Ende, der Berufsalltag streckte seine Fühler nach uns aus. Aber immer dann, wenn wieder ein Laurel und Hardy-Film im Fernsehen gezeigt wurde, saß ich vor der Mattscheibe, so dass ich seinerzeit auch von der Spielfilm-Reihe "Lachen Sie mit Stan und Ollie", die im September 1975 noch während meines Studiums begonnen hatte und sich bis Ende 1980 hinzog, nicht einen Beitrag verpasste.

Gegen Ende meines Studiums hatte ich mir meine beiden ersten Filmbücher gekauft, darunter Leslie Halliwells "Filmgoer Companion" vor allem deshalb, weil auf dem Umschlag Laurel und Hardy abgebildet waren. 1980 war es dann endlich soweit: Im Juni kam bei Goldmann-Citadel ein Buch ausschließlich über Laurel und Hardy heraus. Eversons Band über die Filme der Beiden wurde zu einem meiner meist gelesenen Bücher. Nachdem ich es das erste Mal gelesen hatte, war ich besonders von den beiden Titellisten am Ende beeindruckt und erstaunt, dass es oftmals so viele deutsche Titel für ein und denselben Film gab.

Darüber wollte ich gern Genaueres wissen, fand aber keinen rechten Ansatzpunkt dafür, wie ich mich schlauer machen sollte. Über einen Filmprojektor verfügte ich nicht, so dass mir der Super 8-Markt wie auch die 16 mm-Schmalfilmangebote damals verschlossen blieben. Ich musste mich mit den wenigen Wiederholungen von Laurel und Hardy-Filmen im ZDF zufrieden geben, die ich ab 1979 allerdings fleißig mit meinem Videorekorder aufzeichnete.

Beruf und dann Familie ließen mir weder Zeit noch Muße, mir weiter Gedanken über die Titelflut von Laurel und Hardy-Filmen zu machen oder mich näher damit zu beschäftigen. Auch der Nachschub an Fernsehwiederholungen von Laurel und Hardy-Filmen versiegte schließlich mehr und mehr. Anfang 1990 geschah aber etwas Folgenschweres für mich. Nach einem Essen mit meiner Frau und Freunden in Hamburg kamen wir gegen Mitternacht auf dem Weg zum Auto am Hamburger "Zweitausendeins"-Laden vorbei. Ich war wie vom Donner gerührt, als ich im Schaufenster einen Stapel Videocassetten von Laurel und Hardy erblickte - und keine Möglichkeit hatte, sie sofort zu kaufen. Gleich am nächsten Tag fuhr ich von der Arbeit 60 km dem Laden und konnte sie alle ergattern, 7 Cassetten der 8-teiligen englischen Reihe "Laurel and Hardy's World of Laughter", die "Zweitausendeins" - unvollständig - in den Ramsch gegeben hatte - wohl auch deshalb, weil die Bildqualität mehr als mäßig war. Das minderte aber den Spaß meiner Familie nicht, den wir an den Videocassetten hatten, und insbesondere mein ältester Sohn konnte gar nicht genug von "Stan und Ollie" bekommen. Eine Jahre später tat es ihm sein jüngerer Bruder nach.

Bis dahin war mir entgangen, dass seit 1988 schon die Farbfassung von "Zwei ritten nach Texas" in den Videotheken stand, die allerdings zum Jahresende von SAT.1 ausgestrahlt worden war. Beim Kauf der englischen Videocassetten erfuhr ich vom Verkäufer, dass "Zweitausendeins" noch 1990 "etwas mit Laurel und Hardy machen" wolle. Ich rief ganz begierig in der Frankfurter Zentrale an, die mich an die Firma "Atlas" in Duisburg verwies, bei der ich dann erfuhr, dass in Zusammenarbeit mit "Zweitausendeins" 5 Laurel und Hardy-Videos herausgebracht werden sollten. Ich machte sofort eine Vorbestellung und bekam erstaunlicherweise im Endeffekt statt 5 Videos sogar 6. Unter dem Titel "Die Teufelsbrüder" wollte man eigentlich eine deutsche Fassung von "Pack up your Troubles" verkaufen, hatte aber versehentlich eine deutsche Fassung von "The Flying Deuces" überspielt. Als sich der Irrtum herausstellte, hat man mir die richtige Cassette nachgeliefert.

Nun begann ich die Filme mit meinen deutschen Videobeständen zu vergleichen und konnte einigermaßen rekonstruieren, was in den Fernsehreihen mit Laurel und Hardy-Filmen eigentlich gesendet worden war. Ich konnte heraushören, dass man für Laurels deutsche Stimme zumeist einen bestimmten deutschen Schauspieler hören konnte, Walter Bluhm, während ich für Hardy aus meinem Bestand immerhin 5 verschiedene Sprecher ausmachen konnte. Bald schon waren einige Seiten Notizen zu Papier gebracht.

Zu meinem Erstaunen erfuhr ich nun, dass es in Deutschland auch ein "Tent" der "Sons of the Deserts" gab, das Solinger "Two Tars Tent", und kurz darauf wurde ich Mitglied. Als ich 1994 Christian Blees' Buch "Laurel und Hardy. Ihr Leben, ihre Filme" kaufte war es endgültig um mich geschehen. Das Buch war eine Art erweiterter Fortführung von Eversons Buch, indem es die Filme noch näher beschrieb. Es wurde am Rande auch Laurel und Hardys deutsche Präsenz in Kino und Fernsehen erwähnt, nur dass der Autor nicht näher darauf eingegangen ist und über die Hintergründe nichts zu erfahren war.

Da wurde mir klar: Ich wollte "Laurel und Hardy in Deutschland" gründlich von ihren Anfängen an erforschen. Im ersten Schritt nahm ich das neue Buch in unseren Sommerurlaub nach Belgien mit und kam mit 10 Seiten Notizen zurück. Ich füllte sie nach und nach auf und hatte Anfang 1995 einen langen Aufsatz neben einer Tabelle zusammen gestellt, welche verschiedenen deutschen Fassungen von Laurel und Hardy-Filmen es nach meinem damaligen Wissensstand gab. In der Folgezeit vertrieb ich als gebundene Fotokopien die Schrift "Laurel und Hardy. Eine Odyssee durch ihre deutschsprachigen Synchronisationen", die zuerst 53 Seiten umfasste, dann aber nach und nach auf über 150 Seiten anwuchs, ehe ich die Veröffentlichung einstellte.

Mittlerweile hatte ich Heinz Caloué kennen gelernt und mit ihm zahlreiche Gespräche geführt, die im November 1997 in ein mehrtägiges, systematisches Interview mündeten, das unschätzbare Einblicke in seine Fernsehproduktionen gab. Vor allem aber war er, so umstritten er unter den deutschen Laurel und Hardy-Freunden auch ist, ein Kenner der Materie und ein ernsthafter Künstler. Heinz Caloué brachte die Idee auf, meine Nachforschungen doch als Buch herauszugeben. Ich befolgte seinen Rat und bereiste nun die Republik, um in Archiven, Privatsammlungen und Bibliotheken "Laurel und Hardy in Deutschland" wirklich auf den Grund zu gehen. Es schlossen sich zahlreiche Interviews mit Filmschaffenden an. Ein entscheidender Faktor war auch die großzügige Unterstützung der KirchGruppe, die viele Türen öffnete. Heinz Caloués Nachfolgerin Angelika Zimmermann hat dabei wunderbare Hilfe geleistet.

Und siehe da, es tauchten aus den verschiedensten Quellen auch wieder primäre Unterlagen über deutsche Bearbeitungen von Laurel und Hardy-Filmen auf. Hatte ich zunächst gedacht, es gäbe viele deutsche Fassungen und Titel, wuchs im Laufe der Zeit die Vermutung zur Gewissheit: Es war ein regelrechter Dschungel, durch den ich mir den Weg bahnen musste. Und natürlich hatten im Endeffekt auch nicht nur 5 Schauspieler Hardy ihre Stimme geliehen, sondern noch eine Reihe mehr.

Mittlerweile plane ich tatsächlich meine Nachforschungen als Buch unter dem Titel "Dick und Doof. Die Geschichte von Laurel und Hardy in Deutschland" zu veröffentlichen, das ein zuverlässiges Nachschlagewerk zu den zahllosen deutschen Fassungen und Filmtiteln sein soll. Die Nachforschungen sind praktisch beendet. Das Manuskript ist zu 2/3 fertig gestellt, und ich hoffe, es neben Beruf und Familie in diesem Jahr abschließen zu können. In meinem Buch gehe ich beginnend mit 1924 auf jede deutsche Fassung in jedem noch so kleinen Ausschnitt von Laurel und Hardy-Team- und Solo-Filmen ein und stelle sie in die Zusammenhänge von Zensur, Verleihwirtschaft, Synchronisationsgewerbe, Werbung und Kritik. Dazu habe ich eine systematische Filmografie erarbeitet, die die umfassendste sein wird, die bisher im deutschsprachigen Raum erschienen ist.

Norbert Aping"